
PFEILGIFTFRÖSCHE
Erfahrungsberichte
Froschbörse Marktheidenfeld 06.11.2010
Geplant wie immer schon weit in voraus, starteten wir diesmal zu dritt um 4.00 Uhr in Berlin. Die 550 km Entfernung schafften wir mit 2 Pausen in knapp 5 Stunden und kamen wir immer übermüdet am Ziel an. Der Zubehörverkauf wie auch die Anmeldung begannen um 9.00 Uhr im Außenzelt. Bis zum Start des Froschverkaufes blieben also 2 Stunden die jeder für sich nutze, um Vorbestellungen abzutelefonieren und Einiges an Zubehör einzusammeln. Da wir am Sonntag den Besuch einer nahegelegenen Bromeliengärtnerei geplant hatten, standen Pflanzen nicht auf unserer Liste, aber dazu später mehr. Am Einlass hing bereits eine Standliste mit den jeweils angebotenen Arten. Das erleichterte sicher für viele die Suche. Vollständig war diese jedoch nicht, da hier scheinbar nur die vorher bei der Anmeldung angegebenen Tiere aufgelistet waren (war für meinen Stand jedenfalls so). Wie immer beim Abstellen der Frösche für die Verkäufer (ab 9:30 Uhr), wurden die Boxen kontrolliert und noch einmal die angebotenen Arten vom Veranstalter aufgelistet. Es ist beim ersten Mal schon etwas gewöhnungsbedürftig, seine Tiere im Froschraum abzustellen und diesen dann zu verlassen. Mit der Zeit ist es jedoch schon sehr angenehm, diesen Service zu nutzen. Die Tiere stehen im Warmen, werden vom Einlasspersonal bewacht und als Verkäufer kann man sich frei beim Zubehörverkauf bewegen. Also keine Panik, dass etwas verschwindet. Ab 10:30 Uhr durften dann alle Froschanbieter an ihren Stand und ihre Tiere auspacken. Natürlich wurde jetzt schon mal hier und da ein Auge genommen und Preise abgefragt. Das gehört natürlich dazu, um das Angebot oder Überangebot einiger Arten abschätzen zu können. Wucherpreise gab es kaum (außer bei den Händlern), eher reduzierten viele ihre Preisvorstellungen mit der Zeit. Das Angebot an D. tinctorius Varianten war sehr groß, O. pumilio Varianten eher rar - ausgenommen dem Angebot der Mulz Brüder. Ranitomeya waren einige vertreten, jedoch waren R. lamasi Hochland, R. imitator nominat und R. amazonica schnell vergriffen. Ein Anbieter aus Spanien hatte sehr schöne Mantellen wie aurantiaca und madagascariensis dabei. Leider fanden diese kein großes Interesse auf der Käuferseite. Das sind jedoch nur meine Eindrücke in der wenigen Zeit die ich hatte, mal selbst über die Börse zu schlendern. Laut Veranstalter waren etwa 300 Besucher auf der Börse. Das sind wohl 40 weniger als im letzten Jahr. Die ersten Minuten war der Ansturm gewaltig, sicher für viele Käufer eine Herausforderung die für sie interessanten Tiere sofort zu finden. Nach etwa einer 1,5 Stunden ebbte dann der Zustrom an Besucher ab und es wurden etwas ruhiger. Die Belüftung in dem 200m² großem Raum war wieder mal schlecht, schwitzen war angesagt. Aber was nimmt man nicht alles auf sich, um dabei zu sein. Rundum war die Börse die Reise wert. Alle Reservierungen wurden abgeholt und die meisten Bestellungen meinerseits passten bestens. Bis auf ein Tauschgeschäft lief alles am Schnürchen. Der Tauschpartner war erkrankt und meldete sich erst 2 Tage später. Die Probleme mit dem Dendrobatenforum, brauche ich wohl nicht zu schildern. Telefonnummer und Emailadressen per PN kommen nur zerstückelt an. Dem Admin ist es scheinbar gleich. Es läuft immer noch nicht.
Nach der Börse standen nach kurzer Pause die Vorträge an. Auch diesmal hatten wir eine Übernachtung eingeplant, um uns die Vorträge anzusehen und nicht wieder todmüde zurückzufahren. Eine Weise Entscheidung, denn den Sekundenschlaf an der letzten Abfahrt vor Berlin, werde ich und meine Mitfahrer ein Leben lang nicht vergessen. Zum Glück lief noch alles gut ab. Mir reicht aber die Erinnerung daran. Die Vorträge hörten sich interessant an, besonders der Vortrag von Uli Schmidt „Terrarieneinrichtung“ – von Puppenstuben und Modelleisenbahnen – . Der Titel lies schon darauf schließen, dass es ein etwas anderer Vortrag werden sollte. Meine Erwartungen wurden jedoch übertroffen. Uli hat es verstanden, seinen Vortrag wirklich zu einem Erlebnis zu machen. Sein abwechslungsreicher Einsatz von Modellen, Bildern und Videos brachte ihm volle Aufmerksamkeit. Zudem seine lustige Art und bildliche Sprache lies dem müden Zuhörer wieder aufhören. Uli hatte versucht uns klarzumachen, dass wir mit der Einrichtung unserer Terrarien oft den Fehler begehen, die Natur in einem Maßstab zu kopieren. Nur funktioniert ganz selten bis gar nicht. Was heißt es denn eine Bachlauf oder Wasserfall zu kopieren? Kann man dies überhaupt in einem Terrarium? Oder bleiben es eher kleine Pfützen? Wir sollten eher überlegen einen Ausschnitt nachzubilden, aber nicht in einem Maßstab von 1:xx. 20-30 kleine Bromelien in einem Becken können sicher nicht die in der Natur vorkommende Größe einer Einzelnen ersetzen. Einige Tiere brauchen vielleicht sogar die großen Blattachseln mit der Menge an Wasser die darin steht. Und was heißt es, wenn in der Literatur steht, dass die Tiere in der Nähe von Bachläufen zu finden sind? Das kann auch in 10 oder 20 Metern Entfernung sein. Die Größenordnungen sind eben ganz andere. Arten die in der Natur Bäume erklimmen und in 6-8 Meter Höhe ihre Eier ablegen, kann ich selbst in einem 1,5 m hohen Terrarium nicht gleiches bieten. Oder wie ist es mit Arten die vielleicht gar keine Bodenschicht brauchen? Von diesem Vortrag ist viel hängen geblieben, dank der richtigen Vermittlung. Alle anderen Vorträge waren natürlich auch gut, aber es reicht in meinen Augen heute nicht mehr zu präsentieren. Die Begeisterung fehlt mit der vermittelt werden muß. Eine Powerpoint mit 200 Sildes und mehr reicht eben allein nicht aus. Der Zuhörer möchte nicht nur die lateinischen Namen der Frösche vorgelesen bekommen. Es fehlen eben die Geschichten dazu, bildliche Sprache oder auch mal der Wechsel des Mediums. Das hatten leider nicht alle Vorträge, aber nicht jeder macht so etwas ja auch täglich und schon gar nicht für umsonst.
Am nächsten Tag brachen wir nach dem Frühstück auf und besuchten noch eine Nahe gelegene Bromeliengärtnerei in Seligenstadt, etwa 60 km von Marktheidenfeld entfernt. Schon eine beeindruckende Größe, auf ein paar hundert Quadratmetern Bromelien zu sehen. Unzählige, verschiedene Arten in etlichen Größen und Farben. Dazu ein Gärtner, der sich auskennt und mit Spaß und Freude dabei ist. Die Preise liegen zwischen 50% und 80% unter den durchschnittlichen Börsenpreisen. Da schlägt man gern zu und kauft schon mal mehr, als man eigentlich gerade braucht. Aus dem Gespräch konnte man auch interessante Details entnehmen, auch über einige bekannte Händler. Es war durchweg ein interessanter und gelungener Besuch. Bei Abfahrt hatten wir zu dritt über 50 Bromelien an Board und das für weniger als 100,- EUR. Börsenpreise sollten man lieber nicht vergleichen...
Der Trip hatte sich mal wieder für jeden gelohnt, der nächste Besuch ist bereits geplant.
Anmerkung: Was ich im Forum lese zu der Größe mach angebotener Tiere kann ich nur folgendes sagen: Es gibt auf jeder Börse Tiere im unterschiedlichen Alter mit auch unterschiedlichem Verkaufspreis. Wer lieber Geld sparen möchte und dafür ein jüngeres Tier kauft, geht selbst den Kompromis ein. Wer lieber erwachse oder bereits geschlechtsreife Tiere Kaufen möchte, gibt auch gern mal mehr Geld aus. Wo soll da das Problem liegen. Ich habe keine Tiere gesehen, die gerade an Land gegangen wären. Selbst das wäre für einen erfahrenen Halter kein Problem. Komischer Weise melden sich meist die zu Wort, die selbst noch nie Tiere angeboten haben und am liebsten wenig Geld für adulte Tiere ausgeben würden. Zum Teil kommt man als Züchter garnicht dazu, die Tiere großzuziehen, da die Nachfrage zu groß ist.
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